Offene Replik auf den Weltwoche Artikel “Der Bebbi Komplex” der Ausgabe 21/12
Ich schreibe Ihnen auf Grund Ihres Artikels zum Thema „der Bebbi-Komplex“, welchen ich aufmerksam gelesen habe. Gerne würde ich Ihnen eine Replik zu Ihrem bereits genannten Artikel zukommen lassen:
Basler sind misstrauisch, dünnhäutig, arrogant
Wie jede andere Kantonsbevölkerung haben auch die Stadt-Basler ihre ganz eigene Mentalität. Auf Grund der geografischen Lage, eingeklemmt zwischen Alemannen, Elsässern und Landschäftlern, entwickelte sich Basel als Zentrum für die eigene Bevölkerung wie auch für jene ennet der Kantonsgrenzen. Diese Koexistenz rund um das Zentrum Basel ist derart ausgewogen, dass alle Exponenten ihrer Volksgruppen, sei es die Elsässerin als Kassierin bei Coop, der Badenser als Oberarzt am Unispital oder der Landschäftler als Bankkaufmann, absolut akzeptiert und geschätzt werden. Während also in Zürich die Deutschen beinahe als Plage betrachtet werden, in Genf und im Tessin die Grenzgänger als Problem erfasst werden, heisst man diese in Basel wohlwollend willkommen. Anders als in anderen Kantonen sehen wir in Basel diese Leute nicht als Gefahr. Die offene Mentalität gegenüber den Fremden bringen wir diesen – quasi von Haus aus – entgegen. Geht man als Basler durch die Stadt und wird man von einem verloren wirkenden Touristen aus Frankreich um Hilfe gebeten, versucht man ohne Scham mit dem bestmöglichen Schulfranzösisch zu helfen. Trifft man auf einen umherirrenden Gast aus Deutschland wird aufs verständlichste Schul-Hochdeutsch gewechselt und beim Apèro bei Freunden versucht man die Gäste aus Bergamo bestmöglich mit französich/englisch und einigen Happen italienisch zu bedienen. Keine Spur also von der Zürcher Arroganz, standhaft Schweizerdeutsch zu sprechen, wenn ein Deutscher sich in Zürich verirrt. Kein Zeichen von Misstrauen, wie es die Schweizer landauf, landab gegenüber den Grenzgängern und sonstigen Fremden zelebrieren. Die Dünnhäutigkeit, sofern diese überhaupt besteht, wird spätestens im Rahmen der selbstkritischen „Schnitzelbängg“ während der Fasnacht abgelegt.
Die Aussage von Alex Frei, dem FC Basel werde nicht genügend Wertschätzung entgegengebracht, ist im Licht der Berichterstattung der Medien zu sehen. Wenn kurz nach erreichtem Cupsieg, souverän erspielter Meisterschaft (mit 20 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten) und grandiosen Erfolgen in der Champions League versucht wird, eine Diskussion über eine konsequente Schiedsrichterbevorteilung der Rotblauen loszutreten, wird implizit dargestellt, der FC Basel habe diesen Erfolg nicht sportlich erreicht. Wer sich gegen solche Unwahrheiten wehrt ist weder arrogant noch misstrauisch noch dünnhäutig. Er ist schlichtweg menschlich.
Nirgends ist das Vermögen ungleicher verteilt als in Basel
Die von Ihnen eruierten Zahlen bezüglich der Verteilung des Vermögens mögen wohl stimmen, zeigen aber auch das Verhältnis der Basler zum Kapital. Während in anderen Städten die CEOs, CFOs und Konsorten als Abzocker und Räuber bezeichnet werden, geniessen die Unternehmer in Basel höchstes Ansehen als Politiker, Meinungsmacher oder Mäzene. Obwohl Basel politisch links-dominiert ist, wissen alle, dass die Unternehmen für die Stadt lebenswichtig sind. So bemerkte gar die SP-Finanzministerin, dass eine Senkung der Unternehmenssteuern angebracht wäre. Anstatt dieses Verhältnis zwischen Geldaristokratie und Bevölkerung respektive Regierung als einseitiges, gieriges Bereichern zu betrachten, sollte man viel eher von einer ausgewogenen Koexistenz sprechen. Würde man Ihrer Theorie folgen, würden sich diese Personen und Unternehmen wohl kaum freiwillig in derart starkem Masse zusätzlich für diese Stadt und ihre Bewohner einsetzen. Gemäss einer Studie des Centre for Philanthropy Studies (ceps) gibt es nirgends so viele Stiftungen pro Kopf wie in Basel, wobei die grösste Zahl einen regionalen Stiftungszweck verfolgten. Auch das weit verbreitete Mäzenatentum ist Ausdruck dieser Verbundenheit.
Steigende Kriminalität
Obwohl in Ihrem Artikel Basel als abgeschnitten von der Welt und von der Schweiz beschrieben wird, scheinen die Kriminaltouristen Basel trotzdem zu finden. Wie der grenznahe Kanton Genf kämpft auch der Kanton Basel-Stadt mit einer steigenden Kriminalitätsrate. Immerhin beschloss der Regierungsrat kürzlich, dass das Polizeikorps um 45 Stellen aufgestockt werden solle. Um herauszufinden, dass sich die Basler gewissermassen von der Schweiz abgeschnitten fühlen – ganz im Gegenteil zum Befinden gegen Norden hin – hätten Sie nicht extra Herrn Schindhelm fragen müssen, der Basel so wenig versteht wie die Basler sein Theater verstanden haben. Dies zeigt sich schon alleine in der Berichterstattung der nationalen Medien. Während in Basel der bestdotierte CSI der Schweiz oder die Curling Weltmeisterschaften ausgetragen werden, bleibt das Schweizer Fernsehen grösstenteils fern. Wenn die Uni Basel ihr 550-jähriges Jubiläum am Dies Academicus feiert, erscheint zu dieser Feier lediglich der Staatssekretär für Bildung. Wenn es um Bundessubventionen geht, steht der Wirtschaftsraum Basel hinten an.
Wer an dem Gefühl, dass sich die Basler von der Schweiz abgeschnitten fühlen, verantwortlich ist, sei damit einmal in den Raum gestellt. Ich kann schlussendlich alle Schweizer von ausserhalb Basels nur dazu ermuntern diese Stadt einmal zu besuchen und die Gastfreundlichkeit der Basler selbst zu erleben.
Bildungsstadt Basel
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